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IT'S LOVE
CD-Besprechung

Das Beste aus Jazz und Chanson
Von Frank Becker – "Musenblätter"

Das könnte der Beginn einer wundervollen Freundschaft werden: die Stuttgarterin Ines Martinez hat gemeinsam mit dem international besetzten William Lecomte Trio ein Jazz-Debüt-Album vorgelegt, wie es Newcomern nur selten gelingt. Da macht sich ihre langjährige Show- und Bühnen-Erfahrung mess- und hörbar bezahlt. Die Zusammenstellung dieses außergewöhnlich gelungenen Albums aus Standards von Jazz und Chanson mit einigen eigenen Texten von Ines Martinez und Kompositionen Lecomtes ist homogen. Nichts fehlt, kein Wort, kein Ton ist zuviel.

Klassisch gibt das Trio um den Franzosen William Lecomte den Boden für eine exquisite Pflanze der Gattung „Vocals”. Ein besonderer Reiz liegt dabei in Ines Martinez´ bemerkenswerter Fähigkeit, mit ihrer ausdrucksvollen Stimme Chanson und Jazz gleichwertig zu interpretieren, sowie in ihrer Sprachbegabung, die es ihr ermöglicht, mehrsprachig akzentfrei zu singen, was den brillanten Interpretationen französischer, englischer, brasilianischer und deutscher Texte höchste Authentizität verleiht. „The End Of A Beautiful Friendship” läutet den eleganten Parcours von Highlights ein. Der swingende Opener kann als Programm ebenso für das Album stehen wie das delikate Herzstück „C´est l´amour”, dem Ines Martinez mehr als nur einen Kick mitgibt. Stimme und Vortrag gehen erotisch-spröde unter die Haut (erinnert mich irgendwie an das wunderbare „Femme, femme” von Sophie Daumier 1968 in dem Rob Houwer Film „Engelchen - oder die Jungfrau von Bamberg) - allein der kleine süße Lacher bei 2:39 ist ein so charmanter Verführer, daß er die ganze CD lohnt.

Aber da ist natürlich noch viel mehr, so das laszive, pur brasilianische „Sin Espacio” und „Beklaut”, zu dem Ines Martinez einen Erich Kästner würdigen Text geschrieben hat. Das Beste habe ich mir zum Schluß aufgehoben: noch nie habe ich eine so ausdrucksvolle, inspirierte, kühl-emotionale und bis ins Mark gehende Interpretation des Weill/Brecht-Songs „Surabaya Johnny” gehört, wie auf diesem Album von Ines Martinez. Begleitet von Luiz Augusto Cavanis präzis-dunklem Rhythmus am Schlagzeug und William Lecomtes akzentuiertem Piano malt Martinez kraft ihrer Stimme ein großartiges Bild. Was für ein Vortrag! Wir hören hoffentlich irgendwann mehr von dieser raren Güte. Der Name Ines Martinez hat sich jedenfalls einen Logenplatz im Herzen des Kritikers gesichert.